Papiertechnik
Darum geht's
Die Geschichte des Papiers ist mehr als 2.000 Jahre alt. Die wichtigsten Methoden zur handwerklichen Herstellung von Papier entstanden schon immer im direkten Zusammenwirken mit regional verfügbaren Ressourcen wie Rohstoffen und Wasser. Die drei wichtigsten Techniken sind die asiatische, die arabisch-persische und die europäische Technik. Die kleine Dauerausstellung thematisiert vor allem die europäische Technik.
Blatt für Blatt: Zerkleinern, Wässern, Pressen und Trocknen
Unabhängig davon, ob Papier von Hand oder mit Maschinen hergestellt wird, sind die wichtigsten Fertigungsschritte nahezu gleich. Papier besteht meist aus pflanzlichen Faserstoffen sowie aus Füll-, Leim- und Farbstoffen. Bei der Papierherstellung werden die einzelnen Pflanzenfasern zunächst zerstückelt, zerfasert und mit Wasser zu einem Brei verarbeitet. Anschließend werden sie mit Hilfe eines Schöpfsiebs entwässert und durch Pressen und Trocknen verfestigt.
Der Prozess des Papierschöpfens
Geschichte der europäischen Papierherstellung
In Europa beginnt die Papierherstellung im 11. Jahrhundert in Südspanien und Italien. Lange Zeit wurde Papier in Europa aus Textilabfällen hergestellt, die Hanf- oder Flachsfasern enthielten oder aus Leinen bestanden. Der Rohstoff blieb derselbe, die Herstellungsverfahren veränderten sich: Im 13. Jahrhundert entstand die handwerkliche, mechanisierte Massenproduktion in Wassermühlen, in denen die Lumpen mit Wasser gemischt, gestampft und zu einem breiartigen Fasterstoff verarbeitet wurden. Gleichzeitig verfeinerten die europäischen Papiermacher die eingesetzten Werkzeuge. Schöpfsiebe wurden nun aus Metalldraht hergestellt. Das verbesserte nicht nur die Papierqualität, sondern machte sogar das Verwenden von Wasserzeichen möglich.
Auf großen Bildkacheln an der Wand des Ausstellungsraums ist eine zeitliche Einordnung zu sehen. Der Ausstellungsraum ist ein ehemaliger Pferdestall der Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen von Carl Linde. Ehemalige Pferdetränken fungieren als Bottiche, aus denen ihr in vorab gebuchten Workshops den Papierbrei schöpfen könnt. Unterhalb der Decke befinden sich Trockengestelle, bei denen wie auf dem Trockenboden einer Papiermühlenwerkstatt geschöpfte Papiere zum Trocknen aufgehängt werden. Dieses Motiv wurde auch in der Ausstellungsgestaltung szenografisch aufgegriffen. In Vorführungen könnt ihr verfolgen, wie Papier geschöpft, gepresst, getrocknet und geglättet wird.
Von Blättern zu Bahnen: Die Industrialisierung der Papierherstellung
Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Papiermacher, Holz als Grundstoff zu verwenden und im Zuge der Industrialisierung Maschinen einzusetzen. Eine entscheidende Steigerung der Produktivität brachte 1799 die Erfindung der „Langsieb-Papiermaschine“ durch den französischen Papiermacher Robert. Statt einzelne Blätter von Hand zu schöpfen, konnte nun eine zusammenhängende Papierbahn hergestellt werden. Mit dieser Erfindung war der erste Schritt zur industriellen Papierproduktion getan.
In der Ausstellung ist eine Versuchspapiermaschine der Firma Kämmerer aus dem Jahr 1960 zu sehen, die in der damaligen Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin benutzt wurde.
Von Verpackung zu Verantwortung: Papier und Nachhaltigkeit
Die Papierindustrie unterscheidet vier Produktbereiche Papier: Karton und Pappe für Verpackungen, grafische Papiere, Hygienepapiere und Spezialpapiere. Die meisten Papiere werden als Verpackungen genutzt. Um die Umwelt zu schützen, werden zunehmend Plastik- durch Papierverpackungen ersetzt, doch auch diese verbrauchen Ressourcen. Nachhaltiger sind Zero-Waste-Lösungen, also Materialien, bei denen Abfall konsequent vermieden wird, wenn es möglich ist. Das Ziel ist, Papiere möglichst klimaneutral herzustellen und zu recyceln.
Umweltschonendes Papier erkennt man beim Kauf am FSC-Logo, am Ecolabel und am Blauen Engel. Aktuell sind fünf europäische Papiermühlen seit 2018 auf dem Weg, UNESCO-Welterbe zu werden.